Heute habe ich überraschend Zeit für mich
und was passiert? Gleich sind da wieder kritische Stimmen in mir: nicht die kostbare Zeit verdaddeln, nicht die Chancen versäumen, nicht das Potential, für etwas sinnvolles vergeuden. Lauter hohe Erwartungen an mich selbst. Das nervt. Mit meinem Denken gehe ich mir gerade selbst auf den Keks – dabei fing ich es doch heute morgen im Grunde einmal so gut an:
auf kleiner Flamme
Als Erstes mache ich es mir gemütlich, einen Tee, Earl Grey und ein Schokoladenbrot – das Höchste der Gönnung, Dattelschoki auf einem Vollkornbrot, mir selbst kredenzt auf einem schönen Teller, Kerze an, eine Badewanne, eine Gesichtsmaske – erstmal total relaxed drei Seiten Tagebuch schreiben – Gedanken purzeln aufs Papier, alles möglich , alles gut, soweit.
Ich bleibe dran, ich werte nicht, nehme nur zur Kenntnis…
Funken
Dann kommen feurige Gedanken auf, was ich zu erledigen habe, bedeutsame Nachfrage an den Verlag, wegen noch ungeklärter Sachlage zu unseren Korrekturen…
Feuer
Raketenstufe 1… Könnte ich jetzt ja endlich in Ruhe machen – was sich als Trugschluss erweist, denn ich finde den link zur Vorschau nicht, von der ich der Autorenberatung den Screenshot schicken sollte, …
Raketenstufe 2 …wenn ich nur könnte, wie ich wollte…ich empfinde Stress..
Raketenstufe 3…ich schaue auf die Uhr, ich ärgere mich.
Raketenstufe 4…Warum nur? Ich habe doch überraschend Zeit für mich und den Anspruch, es mir gut gehen zu lassen, mir selbst Gutes zu tun. Ich will immer zu viel auf einmal, auch zu viel des Guten.
Löschen
Gerade eben noch, habe ich ein Interview gehört, mit einem Shaolin Meister, der dies bestätigt: jeder hat so seine angeeigneten, anerzogenen Muster. Und ein wesentlicher Teil der tiefenpsychologisch verankerten Beweggründe unserer Eltern, uns dies oder jenes eindringlich zu vermitteln, sind deren ureigenen Ängste und Nöte. Es ist schon mal ganz gut, sich diesen Fakt und den Unterschied zum eigenen Leben erst einmal bewusst zu machen.
die Windrichtung stimmt schon mal
Das ist heute wieder passiert, das Muster erkenne ich wieder und jetzt kann ich es anders machen. Wieder einmal zulassen, dass ich Ansprüche an mich stelle, die wohl nicht so kopfgesteuert funktionieren. Auch das Relaxen funktioniert nicht, mit dieser Angestrengtheit des Willens. Aber es ist schon einmal klar, dass ich seit meiner Kindheit an mich und den Umgang mit meiner Zeit, anspruchsvolle Vorstellungen hege, die schon meine Eltern hatten. Wobei auch klar ist, dass es meinen Eltern völlig fremd war, im Nichtstun zu verweilen und Regeneration zwar ein schönes Wort, aber keinesfalls eine auf gesunde Weise praktizierte Erfahrung war.
Um so mehr will! ich das können, weil mein Verstand es weiß, wie gut das ist. Das Schlimme ist, es soll bei mir auf Knopfdruck funktionieren, weil ich ja noch so viele andere Dinge machen will, wenn ich erst top erholt bin :- ) lol
Tatsächlich ist mir bewusst, Erholung und Entspannung sind vielfältig.
Einatmen und Ausatmen sind natürlich. Sich darauf zu konzentrieren macht Sinn. Die Gedanken beobachten, jedoch ohne sie zu bewerten, ist eine Kunst, die man üben und erlernen kann.
Ach ja und die Autorensprechstunde habe ich für heute verpasst, weil ich den Fehler auf der Internetseite des Verlages nicht gefunden habe, dafür aber wieder einmal bei mir selbst 🙂
Also ja, runterschreiben hilft mir jedesmal. Heute zum Beispiel, bin ich wirklich von meinem besonderen Anspruch an die erholsame Me Time auf den Boden der Tatsachen runtergekommen. Ich habe nämlich alles geschafft, was bedeutsam war heute. Nervennahrung aufgenommen, nach kurzer Aufregung, meine Gemütsruhe durch Klarheit zurückgewonnen und das Gespräch für die telefonische Autorenberatung am Donnerstag perfekt vorbereitet. Es geht doch.
Wir sehen uns, Manu Dillenburg-Lux