Lücke statt Brücke

Zwischen den Gefühlen

Ich war lange beschäftigt mit den Brücken – vor allem zwischen den Gefühlen.

Schon als Kind hatte ich ein Auge darauf, was zwischen Menschen los war: Wo es nicht stimmte, etwas unausgesprochen blieb, oder eine Lücke entstand.

Zwischen den Stühlen

Wenn etwas auseinanderdriftete, wurde ich aufmerksam.

Also schnappte ich mir gedanklich Holz, Seile und Werkzeug und begann zu bauen.

Ich habe viele Brücken gebaut, die eigentlich anderen gehörten.

Manche Brücken sind einfach nicht da.

Manche entstehen irgendwann. Manche auch nicht.

Und vielleicht ist das gar nicht so schlimm.

Ich kann die Lücke sehen und denken:

„Aha. eine Lücke.“

Und sie erst einmal lassen.

Ich muss nicht vermitteln, übersetzen oder dafür sorgen, dass sich alle verstehen.

Aber ich darf mir wünschen, verstanden zu werden.

Ich darf sagen, was ich brauche, und hoffen, dass jemand zuhört.

Die anderen sind erwachsen. sie dürfen ihre eigenen Wege finden.

Und ich kümmere mich um mein Ufer.

Ich kann dort sitzen und schreiben, lachen, Quatsch machen, mich ausruhen – und mich fragen, was ich gerade möchte.

Und ich darf darauf achten, dass mein kreativer Fluss sauber bleibt.

Zwischen den Gefühlen, zwischen den Stühlen – und manchmal zwischen den Steinen der Mühlen

Denn manchmal wird er mit Erwartungen, Ablenkungen, fremden Befindlichkeiten und anderem Mist verklappt, der dort gar nicht hingehört.

Dann muss ich nicht sofort wieder eine neue Brücke bauen.

Vielleicht muss ich erst den Fluss freihalten, den Müll herausfischen und das Wasser wieder klar werden lassen. Dafür sorgen, dass mein kreativer Fluss wieder weiterfließen kann.

Das gehört auch zu meinem Ufer.

Keine Brücke. Tatsächlich Lücke.

Auch gut.

Und dann gewinne ich eigenes Land.

Ich sehe mein eigenes Land.

Mehr Leben in meinem Leben.

Und ich gehe weiter.

Ins Land.

In mein eigenes Leben.

Wir sehen uns, Manu Dillenburg-Lux

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